Bei einem Galant fällt oft zuerst die Tischplatte auf: groß, schwer und erstaunlich unhandlich, sobald sie zwischen Türrahmen und Wand gedreht werden muss. Der eigentliche Aufbau ist meist weniger kompliziert, als die vielen Schrauben vermuten lassen. Knifflig wird es eher, wenn man ein älteres Modell ohne Anleitung vor sich hat oder die Tischbeine schon einmal verstellt wurden. Dann sehen Teile auf den ersten Blick passend aus, sitzen aber nicht unbedingt dort, wo sie hingehören.
Die Galant-Serie wurde in unterschiedlichen Ausführungen verkauft. Es gibt gerade und gebogene Platten, Varianten mit Eckelementen und verschiedene Untergestelle. Deshalb ist diese Anleitung bewusst keine Behauptung, jede Schraube passe bei jedem Modell. Sie führt durch den typischen Aufbau und zeigt, worauf ich vor allem bei gebrauchten Schreibtischen achte. Wenn eine Anleitung beiliegt, hat sie Vorrang: Die Positionen und Beschläge können sich je nach Ausführung unterscheiden.
Erst das Modell verstehen, dann die Teile sortieren
Bevor ich etwas zusammenschraube, lege ich alle Teile auf einer Decke oder auf einem sauberen Karton aus. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verhindert aber Kratzer an der Unterseite und macht fehlende Beschläge schnell sichtbar. Bei einem gebrauchten Galant prüfe ich außerdem, ob die Platte aus einem Stück besteht oder ob ein Eck- beziehungsweise Verlängerungsteil dazugehört. Eine zweiteilige Platte kann auf dem Boden zunächst wie eine einzelne große Platte wirken, bis man die Verbindungspunkte genauer ansieht.
Trenne Schrauben, Unterlegscheiben und Verbinder nach Form und Länge. Ähnliche Schrauben sind nicht automatisch austauschbar: Eine zu lange Schraube kann durch eine dünne Stelle der Platte treten, eine zu kurze greift unter Umständen kaum im Gewinde. Fehlt ein Teil, ist es besser, die Montage zu unterbrechen und die passende Ausführung zu ermitteln, statt mit einer scheinbar ähnlichen Schraube weiterzumachen. Bei älteren Möbeln unterscheiden sich Beschläge außerdem gelegentlich zwischen Produktionsserien.
Die Tischplatte sollte mit der Oberseite nach unten liegen. Dafür eignet sich ein Teppich oder eine dicke Decke, sofern darunter keine harten Krümel liegen. Bei einer großen Platte ist eine zweite Person hilfreich: Nicht, weil der Aufbau besonders schwer wäre, sondern weil sich die Platte beim Wenden leicht verwindet. Die Kanten und die Stellen für die Beine verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit.
Das Gestell zunächst nur lose ansetzen
Beim typischen Galant-Untergestell werden Rahmen- oder Verbindungsteile an der Unterseite der Platte befestigt und anschließend mit den Beinen verbunden. Die genaue Reihenfolge hängt vom Modell ab. Ich setze die Teile zunächst an den vorgesehenen Bohrungen an und drehe die Schrauben nur so weit ein, dass alles gehalten wird. Noch nicht festziehen: Ein wenig Spiel hilft, den Rahmen auszurichten, wenn später das nächste Teil dazukommt.
Das ist besonders wichtig bei Eckschreibtischen oder Platten mit angesetztem Seitenteil. Werden die ersten Schrauben gleich angezogen, kann sich die Konstruktion leicht verspannen. Dann scheint das letzte Verbindungsteil zu kurz zu sein, obwohl es eigentlich nur nicht sauber fluchtet. Ein guter Hinweis ist, ob die Bohrungen ohne Druck übereinanderliegen. Muss man ein Gestellteil kräftig heranziehen oder eine Schraube schräg ansetzen, stimmt meist die Ausrichtung noch nicht.
Bei einem gebrauchten Tisch kontrolliere ich die Gewinde und die Befestigungspunkte, bevor ich Kraft einsetze. Sitzt eine Schraube schief, wieder herausdrehen und neu ansetzen. Mit einem Akkuschrauber auf hoher Stufe lässt sich ein Gewinde schnell beschädigen; für die letzten Umdrehungen nehme ich lieber einen passenden Handschraubendreher oder arbeite mit sehr niedriger Drehzahl. Schrauben sollen fest sitzen, aber nicht in die Platte hineingezwungen werden.
Beine montieren und die Höhe gleichmäßig einstellen
Viele Galant-Modelle haben T-förmige Beine, andere Ausführungen können abweichen. Bei höhenverstellbaren Beinen lohnt ein Blick auf beide Seiten, bevor sie montiert werden. Die Verstellmechanik muss sich frei bewegen lassen und sollte an den Beinen auf vergleichbarer Höhe stehen. Wer die Höhe bereits vor dem Befestigen grob einstellt, spart sich später das mühsame Nachjustieren unter dem Tisch.
Setze die Beine so an, wie es die Montagezeichnung für dein Modell vorgibt. Bei einem normalen rechteckigen Schreibtisch ist die Position meist leicht zu überblicken; bei einer Eckplatte kann die Orientierung täuschen. Lege dir die Platte deshalb so hin, dass du die spätere Vorderkante erkennst. Kabeldurchlass, abgerundete Ecke oder die Form der Arbeitsfläche geben oft einen besseren Anhaltspunkt als die Wandseite des Raums.
Wenn alle Beine sitzen, ziehe die Verbindungen schrittweise an: erst die Schrauben an einem Ende, dann die gegenüberliegenden, anschließend die übrigen. Bei einem Gestell mit mehreren Verbindungsstellen verhindert dieses Vorgehen, dass eine Seite bereits feststeht, während die andere noch schief hängt. Die Beine sollten nicht unter Spannung nach außen oder innen gedrückt werden müssen. Lässt sich der Tisch später nicht stabil aufstellen, liegt die Ursache häufig in einer ungleichmäßigen Montage oder einer falsch eingestellten Beinlänge.
Bei einer zweiteiligen Platte auf die Verbindung achten
Hat dein Galant eine zusätzliche Platte oder ein Eckstück, ist die Verbindung zwischen den Elementen entscheidend für ein ruhiges Schreibgefühl. Richte die Kanten bündig aus und kontrolliere die Verbindung von oben, bevor du sie endgültig festziehst. Schon ein kleiner Höhenversatz fällt beim Arbeiten mit Maus und Unterarm auf. Die vorgesehenen Verbinder sollen die Teile zusammenhalten; sie ersetzen keine fehlende oder beschädigte Befestigung.
Bei einer gebrauchten Platte sind alte Druckstellen oder leicht ausgeschlagene Bohrungen nicht ungewöhnlich. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Schreibtisch unbrauchbar ist. Die Verbindung sollte sich aber ohne grobes Ziehen schließen lassen und nach dem Festziehen nicht sichtbar auseinanderdriften. Wenn ein Verbinder locker bleibt, zuerst prüfen, ob er richtig herum sitzt und ob alle zugehörigen Teile vorhanden sind. Improvisierte längere Schrauben sind keine gute Lösung, weil sie die Oberfläche beschädigen oder die Konstruktion schwächen können.
Auch Kabelöffnungen und Kabelhalter montiere ich erst, wenn eindeutig ist, wohin die Kabel später laufen sollen. Ein Loch in der Platte ist kein Grund, den Tisch dicht an die Wand zu schieben: Gerade bei Monitoren und Mehrfachsteckdosen braucht man oft etwas Platz hinter der Arbeitsfläche. Lass die Kabel so liegen, dass sie beim Verstellen der Höhe nicht gespannt werden.
Der Moment, in dem man den Tisch zum ersten Mal aufstellt
Zum Wenden wird der Schreibtisch am besten gemeinsam angehoben. Dabei nicht an einer einzelnen Ecke hochziehen, sondern möglichst nahe an den tragenden Bereichen greifen. Eine große Platte kann sich beim Kippen durch ihr Eigengewicht belasten, und ein frisch montiertes Gestell sollte nicht als Hebel benutzt werden. Stelle den Tisch kontrolliert auf die Beine und prüfe zunächst, ob alle Füße den Boden berühren.
Wackelt er, nicht sofort eine Ecke mit Pappe unterfüttern. Kontrolliere zuerst, ob die Beine gleich lang eingestellt und die Schrauben am Rahmen angezogen sind. Auf unebenem Boden kann anschließend eine kleine Anpassung an den verstellbaren Füßen nötig sein. Ändere die Höhe in kleinen Schritten und prüfe nach jeder Korrektur erneut, ob der Tisch in der Arbeitsposition stabil steht. Die Platte sollte nicht diagonal schwanken, wenn du dich mit den Unterarmen aufstützt.
Beim Einstellen hilft eine einfache Probe: Setze dich so an den Schreibtisch, wie du später arbeitest, und lege die Hände locker auf die Fläche. Schultern und Unterarme sollten sich natürlich anfühlen; ein fester Zahlenwert passt nicht zu jeder Körpergröße und jedem Stuhl. Die Höhenverstellung ist dann gelungen, wenn die Haltung stimmt und der Tisch trotzdem sicher steht. Wenn du die Beine deutlich unterschiedlich weit ausziehst, prüfe anschließend besonders sorgfältig die Stabilität.
Was bei Problemen meistens dahintersteckt
Wenn eine Schraube nicht greift, drehe sie nicht mit Gewalt weiter. Häufig ist das Bauteil leicht versetzt oder die Schraube wurde schräg angesetzt. Nimm sie heraus, entlaste die Verbindung und richte die Bohrungen neu aus. Lässt sich eine Schraube auch dann nicht sauber eindrehen, kontrolliere, ob sie zur richtigen Position gehört. Bei einem ausgeleierten Gewinde sollte die Ursache geklärt werden, bevor der Tisch belastet wird.
Ein schiefer Rahmen entsteht oft, weil mehrere Befestigungen zu früh festgezogen wurden. In diesem Fall alle betroffenen Schrauben etwas lösen, den Rahmen auf der Platte ausrichten und dann abwechselnd wieder anziehen. Wenn der Tisch nach dem Aufbau knarzt, prüfe die Kontaktstellen zwischen Beinen, Rahmen und Platte. Ein Knarzen kann von einer lockeren Verbindung kommen, aber auch von einer minimalen Bewegung auf unebenem Boden. Nicht jede Geräuschquelle verlangt nach mehr Kraft an der Schraube.
Für die Orientierung zwischen Varianten helfen diese Beobachtungen, ersetzen aber nicht die passende Montagezeichnung:
- Rechteckige Platte: Die Lage der Vorderkante und die Position der Beine sind meist gut zu erkennen; prüfe trotzdem die Bohrungen des Gestells.
- Eck- oder gebogene Platte: Vor dem Verschrauben festlegen, welche Seite später zum Arbeitsplatz zeigt, damit die Beinposition nicht spiegelverkehrt gewählt wird.
- Gebrauchter Tisch ohne vollständige Beschläge: Modell und vorhandene Teile vergleichen, statt fehlende Schrauben durch beliebige Exemplare zu ersetzen.
Ein sauber aufgebauter Galant muss nicht perfekt aussehen
Nach dem ersten Arbeitstag lohnt sich eine kurze Kontrolle. Setzen sich die Verbindungen, können einzelne Schrauben etwas nachgezogen werden müssen. Das sollte ein Nachziehen mit Gefühl sein, kein erneutes Festzurren mit voller Kraft. Auch Kabel und Steckdosenleiste verdienen einen Blick: Sie dürfen weder zwischen Rahmen und Wand eingeklemmt sein noch beim Verstellen der Höhe an den Beinen hängen bleiben.
Ein Galant ist ein großer, modular gedachter Schreibtisch, und genau darin liegt seine Stärke – ebenso wie die kleine Herausforderung beim Aufbau. Wer die Teile zuerst zuordnet, das Gestell zunächst lose montiert und die Höhe erst am fertigen Tisch fein abstimmt, erspart sich die meisten unnötigen Korrekturen. Am Ende muss die Unterseite nicht aussehen wie aus dem Katalog. Entscheidend ist, dass nichts verspannt ist, die Platte ruhig liegt und du dich beim Arbeiten nicht ständig fragst, ob das Wackeln wohl dazugehört.
Bei einem älteren Schreibtisch ist eine fehlende Anleitung kein Anlass, blind nach Gefühl zu schrauben. Sie ist eher ein Hinweis, genauer hinzusehen: auf Bohrungen, Gewinde, Beinmechanik und die tatsächliche Form der Platte. Wenn diese Details zusammenpassen, lässt sich auch ein Galant mit ein paar Gebrauchsspuren zuverlässig aufbauen. Und manchmal ist gerade der Moment, in dem der Tisch nach dem letzten Nachjustieren still und stabil steht, der beste Beweis dafür, dass man sich die zehn Minuten zum sorgfältigen Ausrichten genommen hat.
Bild: / Vecteezy
Alte Häuser, schiefe Wände und knifflige Renovierungen haben ihren ganz eigenen Reiz. Statt komplizierter Fachbegriffe zählen verständliche Erklärungen und Lösungen, die auch auf echten Baustellen funktionieren. Nicht jeder Handgriff muss schließlich gleich zum Großprojekt werden.

